Wie entwickelt sich mein Kind? Lerne dein Kind besser zu verstehen (Teil 2)

Wie entwickelt sich mein Kind? Lerne dein Kind besser zu verstehen (Teil 2)
Vom trotzigen Kleinkind zum selbstbewussten Erwachsenen

Zweiter Teil der psychosozialen Entwicklungsphasen nach Erikson:

Im ersten Teil des Artikels haben wir uns gemeinsam angeschaut, wie Kinder und Jugendliche sich psychosozial entwickeln und was sie in diesen herausfordernden Entwicklungsphasen von dir als Elternteil brauchen. Doch mit der Pubertät, der fünften Phase, ist es noch lange nicht abgeschlossen. Auch Erwachsene entwickeln sich fortlaufend weiter und haben aufgrund ihrer vorherigen Erfahrungen mit Herausforderungen des Lebens zu kämpfen.

Heute schauen wir uns die weiteren psychosozialen Phasen nach Erikson an. Dabei geht es auch um dich und deine eigene Entwicklung.

6. Die Entwicklung im frühen Erwachsenenalter (21-40 LJ):

Intimität und Solidarisierung vs. Isolierung

Hier geht es darum, Intimität zu genießen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren. Was meint Erikson damit?

Intimität ist eine Fähigkeit, anderen Menschen nahe zu sein, und zwar als Freund, Liebender und als Teil der Gesellschaft. Du weißt jetzt, wer du bist und musst dich nicht mehr fürchten, dich selbst zu verlieren. Die Furcht davor, sich für eine ganz bestimmte Sache, einen anderen Menschen oder gar für sich selbst einzusetzen, ist in dieser Phase ein deutliches Zeichen für Unreife. Diese Angst gibt sich nicht immer offen zu erkennen.

Viele Menschen schieben heute die Weiterentwicklung ihrer Beziehungen vor sich her. Sie möchten erst heiraten oder sich für wichtige Aufgaben engagieren, sobald sie mit der Schule fertig sind, sobald sie eine gute Anstellung gefunden haben, sobald sie ein Haus haben, sobald sie genug Geld angespart haben... Wenn du schon seit acht Jahren verlobt bist, was hält dich dann noch zurück, diesen Schritt zu vollenden?

Die erfolgreiche Identitätsfindung der vorherigen Phase ist Voraussetzung dafür, um eine intime Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Intimität ist also die Fähigkeit, sich dem anderen zu öffnen. Laut Erikson ist es in dieser Phase wichtig, Menschen, mit denen man eine Bindung eingeht, so zu akzeptieren, wie sie sind und selbst zu lernen, Kompromisse zu schließen. Gelingt dies nicht, entsteht Isolation.

Bei zu viel Intimität besteht die Gefahr, sich aufzuopfern und den Wunsch nach einer starken Verschmelzung mit dem anderen zu verspüren. Zu wenig Intimität führt zu einer sozialen Distanzierung, Bereitschaft zur Übernahme von Feindbildern, Kühle und Berechnung gegenüber anderen und/oder Radikalisierung von Meinungen.

Bei guter Balance bildet sich die Fähigkeit heraus, sich nicht mehr beweisen zu müssen sowie Konflikte gut zu lösen. Mit anderen Worten; erst wenn diese Stufe erfolgreich abgeschlossen wurde, ist der junge Erwachsene fähig zur Liebe.

7. Die Entwicklung im mittleren Erwachsenenalter 40-64 LJ:

Generativität vs. Stagnation

Die Fürsorge für andere zu übernehmen, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren, ist in dieser Phase die herausfordernde Aufgabe. Generativität ist hier die Fähigkeit, sich um andere zu kümmern und für sie zu sorgen. Das äußert sich beispielsweise durch soziales und gesellschaftliches Engagement wie das Lehren oder Kreieren von Kunst und Literatur. Du bietest der Gesellschaft einen Mehrwert. Stagnation ist wiederum die Fähigkeit, sich auch um sich selbst und seine Bedürfnisse zu kümmern.

Nimmt die Stagnation einen zu starken Lauf an, kommt es zu einer depressiven oder narzisstischen Stagnation. Die narzisstische Stagnation lässt diesen Menschen nur noch an sich und an seine Bedürfnisse denken. Er achtet nicht auf andere Menschen und lässt auch die Zukunft außen vor.

Die depressive Stagnation lässt den Menschen im Glauben, dass er nicht vorankommt und nichts bewirken kann.

Bei zu viel Generativität verliert sich der Mensch selbst. Beispielsweise engagiert er sich sozial so intensiv, so dass er vor lauter Terminen und stetigen Anforderungen sich selbst und seine Bedürfnisse aus den Augen verliert.

Eine gute Balance zwischen Generativität und Stagnation ist von Vorteil. Selbstliebe sorgt dafür, dass du dich um andere kümmern kannst, dir aber auch eine gute Portion der Selbstfürsorge gönnst.

8. Die Entwicklung im höheren Erwachsenenalter 65+:

Integrität vs. Verzweiflung

In dieser Phase des Lebens geht es um das Akzeptieren des bisherigen Lebens und einer positiven Auseinandersetzung mit dem Tod. Stellst du älteren Menschen die Frage, ob sie mit ihrem bisherigen Leben zufrieden sind, so hörst du oft die Antwort, dass sie Vieles ganz anders machen würden. Sie hätten sich dann aus purer Leidenschaft für ein Studium entschieden, und würden sich dem Einfluss ihrer Eltern entziehen. Sie würden sich für Hobbys anmelden, die ihnen Spaß machen, anstatt zum Ballett zu gehen, nur weil es die Mama so großartig findet und selbst dieser Karriere nicht mehr nachkommt.

  • Ja!

Um dein ganzes Leben rückblickend zu akzeptieren, ist es wichtig, dass du tatsächlich JETZT das Leben führst, welches nach deinen Vorstellungen und Wünschen läuft. Ohne Pfuscherei von anderen Personen.

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  •  Unterstütze es dabei!

Auch wenn du der Meinung bist, dass es damit kein ordentliches Geld verdient. Es ist sein Traum, seine Leidenschaft. Lass es machen.

Nimm auch du dir zugleich vor, deine Träume zu leben! Du bist niemals dafür zu alt! Dir wird leichter fallen, dein Leben zu akzeptieren, wenn du dir die Erfüllung deiner Träume gönnst.

 

 

Quelle:August Flammer: Entwicklungstheorien - Psychologische Theorien der menschlichen Entwicklung, 4., vollständig überarbeitete Auflage, Verlag Hans Huber, Bern 2008 © 2008 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

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