Wie setze ich meinem Kind Grenzen?

Wie setze ich meinem Kind Grenzen?

Liebevoll Grenzen setzen. Ja, das geht.

Das Kind schreit, dass es ein Eis will! Doch von dir bekommt es ein klares Nein zu hören. Die Situation spitzt sich zu. Je mehr Neins es von dir hört, desto dramatischer setzt es die Stimme zum Schreien ein. Zusätzlich wirst du geboxt oder bekommst einen Tritt vors Schienbein ab. Ja, Zuckerentzug kann schmerzvoll sein.

Doch so muss es nicht laufen. Natürlich bekommt dein Kind ein Eis, jedoch erst nach dem Mittagessen. Ein leckeres Dessert als Nachtisch. Dein Kind kann mit deiner Entscheidung nicht einverstanden sein und deshalb sind Frustrationen auch in diesem Fall vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite schenkst du seinem Bedürfnis eine Beachtung und dein Kind fühlt sich insgeheim gesehen und wahrgenommen. So setzt du liebevoll Grenzen.

Doch Achtung! Verlangst du von deinem Kind, dass es erst (Belohnung) ein Eis bekommt, wenn (Bedingung) es seinen Teller ganz leer isst, geht es in die manipulative Richtung. Dein Kind lernt auf diese Weise ganz andere Werte als die, die du ihm vermitteln möchtest.

Als Beispiele eignen sich Versprechungen ganz gut. Wenn dein Kind etwas macht, was du dir von ihm wünschst, bekommt es als Belohnung ein Eis oder andere Süßigkeiten. Oder wenn es sich so verhält, wie du es von ihm erwartest, bekommt es die heiß ersehnte Leckerei. Umgekehrt, wenn es beispielsweise den Teller nicht leer isst, oder etwas nicht tut, wie verabredet, bekommt es als Strafe keine Schleckereien. Mit Essen, oder besser gesagt, mit Süßem zu belohnen oder gar bestrafen kann bei dem Kind eine Essstörung hervorrufen. Sei dir bitte dessen bewusst.

Das heutige Thema ist jedoch, wie du liebevoll Grenzen setzen kannst, und zwar nicht nur, wenn es um Süßkram geht. Meine Inspiration für diesen spannenden Artikel habe ich aus dem Buch von Danielle Graf und Katja Seide gewonnen.

1.   Mit Mimik und Gestik kommunizieren

Das Gehirn eines Kindes ist in einem wütenden Augenblick komplett blockiert und für keine sprachliche Kommunikation offen. Aufgebrachte Kinder brauchen gerade besonders in solchen Momenten einen respektvollen Umgang. Glücklicherweise kann das emotionale Gehirn Mimik und Gestik in der hitzigen Situation entschlüsseln.

Du kannst dein Kind durch einen mitfühlenden Gesichtsausdruck erreichen und ihm so Empathie vermitteln. Es registriert, dass du an einer Lösung des Problems interessiert bist. Erst danach kannst du mit wenigen Worten erklären, warum es jetzt beispielsweise das Auto nicht haben kann oder kein Eis bekommt. Das überforderte Gehirn hat auf diese Weise die Möglichkeit, ein paar Informationen aufzuschnappen und sich etwas zu beruhigen.

Außerdem nimmt dein zugleich Kind wahr, dass es seine Gefühle ohne Angst ausdrücken kann.

 

2.   Erklären, warum es gerade nicht geht

Dieser Punkt ist sehr wichtig.

Erwachsene sollten fest hinter ihrer Entscheidung stehen und sich nicht dafür entschuldigen. Es tut dir weh, dein Kind so wütend oder traurig zu sehen, aber deine Entscheidung tut dir nicht leid. Du hast dich gegen ein ja entschieden und darauf solltest du dich stark fokussieren. Alles andere führt zu einer Verwirrung und dein Kind empfindet solche Widersprüche als unaufrichtige Botschaften.

Kinder haben im Übrigen ganz feine Antennen für Widersprüche im Gesichtsausdruck seiner Mitmenschen sowie der Körperhaltung und Stimme. Achte bitte darauf, dass deine Mimik, Körperhaltung und die Klangfarbe deiner Entscheidung klar und stimmig sind.

Umso leichter fällt es deinem Kind, deine Entscheidung anzunehmen.

 

3.   Alternative anbieten und eine Win-Win-Situation für alle schaffen

Eltern und Erwachsene neigen oft dazu, Kindern viele Frustrationen und Enttäuschungen zu ersparen. Doch das führt zu einer gestörten Entwicklung der Impulskontrolle und Empathie.

Es gibt einen enormen Unterschied zwischen einer Ersatzbefriedigung oder Ablenkung vom Frust und einem Win-Win-Ergebnis.

TV schauen, Computer spielen oder eine Süßigkeit als Trost anzubieten, sind leider solche Ablenkungen und schnelle Ersatzbefriedigungen. Doch wenn du dein Kind auf diese Weise vom Frust und Schmerz befreist, bringst du ihm bei, dass emotionale oder körperliche Schmerzen etwas Negatives sind.

Außerdem wird der präfrontale Kortex nicht mehr angeregt. Dieser ist zuständig für die Impulskontrolle sowie die Selbststeuerung. Um genau zu sein, bedeutet dies, dass dein Kind nicht lernt, mit Frust umzugehen, und es sucht immer weniger aktiv nach Lösungen seiner Probleme. Statt Frust auszuhalten, wird es auch als Erwachsener auf eine schnelle Bedürfnisbefriedigung pochen und seinen Mitmenschen das Leben schwer gestalten, und natürlich sich selbst.

 

Wichtig ist, dass du deinem Kind keine Ersatzbefriedigung bietest, sondern eine Lösung findest, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Will es beispielsweise weiter auf dem Spielplatz spielen, obwohl du einen wichtigen Termin hast, kannst du ihm anbieten, nur noch 5 Minuten zu spielen oder nur noch drei Mal zu rutschen. Schön wäre es auch, wenn du einfach eine oder zwei Runden mit deinem Kind rutschst oder eine kleine Sandburg baust. So fällt es ihm leichter, sich von dem Spielplatz zu verabschieden.

Du schenkst deinem Kind viel mehr als nur Aufmerksamkeit. Es lernt, sich in andere hineinzuversetzen und die Bedürfnisse anderer ernst zu nehmen. Außerdem wird es stärker im Umgang mit Wut- und Trauergefühlen. Zusätzlich erlangt es ein positives Bild von sich selbst und wird selbstbewusster. Zu guter Letzt lernt es sehr wichtige Werte im Umgang mit sich und anderen.

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